November 26, 2008...9:26

Spuren des Geistigen – Haus der Kunst (19 sep. – 11. jan)

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von Philipp Graf

de-chirico-the-nostalgia-of-the-infiniteDie Ausstellung „Spuren des Geistigen“ im Haus der Kunst zeigt Werke aus mehreren Epochen und Kunstrichtungen, querbett durch die Medien und Künstler. Folglich liest sich die Ausstellungsinfo (neben viel, klein geschriebenem „Gelabere“, auch wie ein Who is Who der Kunst. Gleichzeitig ist es auch eine sehr umfangreiche Ausstellung. 

Das hat 2 angenehme Folgen; zum einen kann man sich auf Klassisches freuen und Bekanntes wiedersehen, aber auch Neues entdecken. Um nur einige zu nennen, die man ausstellt: da wären Nam June Paik, Gerhard Richter, Gursky, Goya, Beuys, Damien Hirst um nur eine Auswahl zu nennen. Das Niveau ist schon bei dieser Liste hoch (von Gursky mal abgesehen); kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Schlechtes zu sehen gibt.

Aber der Reihe nach..

Im ersten Raum wird man gleich von einer guten Kombination erwartet. Neben einem C.D.F. finden wir ein Original-Blatt von Goya´s Zyklus Desastres de la Guerra (Eine Gallerie gibt es hier oder vollständig hier). Eines der stärksten Werke der Ausstellung. Auch hier findet sich eine Arbeit (von 2en) von Giorgio de Chirico; tiefsinnige mächtige Bilder. Auch Damien Hirst kann überzeugen. Ein Triptichon aus tausenden von Fliegen, die mit Harz festgeklebt wurden, bilden einen eindrucksvollen schwarzen „Teppich“. Eines der wenigen neuzeitlichen Werke die einen eindeutig religiösen Bezug aufnehmen. Überraschend von Damien Hirst, der sich ja sonst eher der kommerziellen Verwertung seiner „Werke“ widmet, als deren Schaffung.

Nam June Paik´s Arbeit zeigt einen Buddha, der sein Gesicht von uns abwendet, aber gleichzeitig live von einer Kamera gefilmt und auf einen Fernseher zu sehen ist. Das sieht dann so aus, wie Leute, die gerade die ihren Webcam Livechat (auch wenn es denn damals noch nicht gab) erproben. Eine schöne Mediensatire.

Über den religiösen Bezug eines so manchen Werkes könnte man sich auch streiten. Beispielsweise die Arbeiten des Russen Kasimir Malewitsch oder gar eines Marcel Duchamp. Die abstrakten Arbeiten von Malewitsch mögen für den ein oder anderen Kurator etwas göttliches haben, aber dazu müsste man halt gläubig sein. Dieser Umstand macht die Arbeiten natürlich nicht schlechter! Auch der abstrakte Richter ist eine etwas knifflige Angelegenheit. Ein graues Bild, das in der Mitte einen etwas helleren Grauton aufweist, als außen. Was langweilig klingt, ist real recht spannend anzusehen, und man kann wunderbar drüber diskutieren, ob das eine Gottesdarstellung ist, oder nicht. 

Eine Gottesdarstellung findet man auch im Nebenraum. Dort hat man einen geschnitzten (Comic-)Frosch an ein Kreuz geschlagen. Das ist furchtbar kitschig und kommt nicht über eine offene Provokation hinaus, das ist aber bei der katholischen Kirche auch schon was wert, oder?

Man könnte noch vieles aufzählen aus dieser Ausstellung; stattdessen gebe ich lieber die Empfehlung sich das ganze bis zum 11 Januar noch selbst anzuschauen. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn es ist für jeden etwas dabei!

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